2021

Entscheide des Schweizerischen Bundesgerichts zum Erbrecht, zur Erbschaftssteuer und zur Strukturierung des Vermögens (Stiftungen, Trusts)
des Jahres 2021
Redaktion successio online (Hans Rainer Künzle), 01.01.2021
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Schweizerisches Bundesgericht 5A_414/2020 vom 03.06.2021
II. zivilrechtliche Abteilung - Erbrecht - vorsorgliche Massnahmen, Verschiebung des Verhandlungstermins (Erbsache) 
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​​​​​​​Tribunal Fédéral 5A 101/2020 du 28.05.2021
IIe Cour de droit civil - Droit des successions - action en réduction successorale (recevabilité, autorisation de procéder, conclusions chiffrées)

Tribunal Fédéral 5A 862/2020 du 25.05.2021
IIe Cour de droit civil - Droit des successions - rescision d'un partage partiel; sort de biens successoraux 

Schweizerisches Bundesgericht 5D_305/2020 vom 04.05.2021
II. zivilrechtliche Abteilung - Erbrecht - Einsprache / Erbschaftsverwaltung
Anspruch auf Ausstellung einer Erbenbescheinigung haben entgegen dem Gesetzeswortlaut nicht nur eingesetzte Erben, sondern auch gesetzliche Erben. Die Ausstellung einer Erbenbescheinigung ist (nur) zu verweigern, wenn die Erbberechtigung der betroffenen Personen bestritten wird. Nicht bestritten werden kann indes die Berechtigung gesetzlicher Erben (E. 3.2).
Die Ausstellung einer Erbenbescheinigung schliesst die Anordnung einer Erbschaftsverwaltung nicht automatisch aus (E. 4.2).
Eine Erbschaftsverwaltung kann insbesondere eingesetzt werden, wenn die Verwaltung durch die Erben oder den Willensvollstrecker ein besonderes Risiko beinhaltet. Nach der Rechtsprechung erfolgt die Ernennung des Willensvollstreckers zum Verwalter nicht automatisch; es bedarf seiner formellen Berufung durch die Behörde. Dieser Berufung geht - entgegen dem insoweit zu absoluten Gesetzeswortlaut von Art. 554 Abs. 2 ZGB - eine Eignungsbeurteilung voraus; der Willensvollstrecker muss zur Ausübung des Amtes geeignet sein und darf sich namentlich nicht in einem objektiven Interessenkonflikt befinden. Ein solcher Interessenkonflikt liegt namentlich vor, wo ein Erbe zum Willensvollstrecker ernannt wurde (E. 4.3).

Eine Interessenskollision, wie ein anderweitig noch offenes streitiges Zivilverfahren zwischen den Erben lässt auf ein besonderes Sicherungsbedürfnis schliessen und rechtfertigt daher die Anordnung einer Erbschaftsverwaltung nach Art. 556 Abs. 3 ZGB (E. 4.6).

Tribunal Fédéral 5A 1013/2020 du 28.04.2021
IIe Cour de droit civil - Droit des successions - fourniture de sûretés (partage successoral)
L'obligation de fournir des sûretés en garantie des dépens incombe au demandeur xclusivement. Le défendeur qui agit reconventionnellement doit néanmoins y être assimilé (consid. 3).
Les sûretés en garantie des dépens doivent être fournies lorsque le demandeur est débiteur de frais d'une procédure antérieure ; peu importe que ceux-ci soient dus au défendeur ou à un tiers. La procédure antérieure au sens de l'art. 99 al. 1 let. c CPC doit être close, la décision rendue étant ainsi définitive et exécutoire et les frais qu'elle arrête exigibles. La procédure peut s'être déroulée en Suisse ou à l'étranger. Le jugement étranger doit néanmoins être exécutoire et pouvoir être reconnu en Suisse (consid. 4.1.2).
Une condamnation d’un tribunal à l’étranger à payer un montant ne détermine pas l’exigibilité selon l’art. 99 al. 1 let. c CPC (consid. 4.1.3).
Die Verpflichtung zu einer Sicherheitsleistung für Parteikosten obliegt ausschliesslich dem Kläger. Der Beklagte, der Widerklage erhebt, muss dennoch als solcher behandelt werden (E. 3).
Die Sicherheitsleistungen für Parteikosten müssen geleistet werden, wenn der Kläger Prozesskosten aus einem früheren Verfahren schuldet; dabei ist unerheblich, ob diese dem Beklagten oder einem Dritten geschuldet werden. Das frühere Verfahren gemäss Art. 99 Abs. 1 lit. ZPO muss abgeschlossen sein, der ergangene Entscheid damit rechtskräftig und vollstreckbar und die damit verbundene Verfahrenskosten fällig. Das Verfahren kann in der Schweiz oder im Ausland stattgefunden haben. Das ausländische Urteil muss jedoch vollstreckbar sein und in der Schweiz anerkannt werden können (E. 4.1.2).
Eine Verurteilung durch ein ausländisches Gericht zur Zahlung eines Betrages bestimmt nicht die Fälligkeit gemäss Art. 99 Abs. 1 lit. c ZPO (E. 4.1.3).

Schweizerisches Bundesgericht 5A_298/2021 vom 22.04.2021
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht - Erbteilung
Ist die Vorinstanz auf das Rechtsmittel des Beschwerdeführers nicht eingetreten, gilt als Anfechtungsgegenstand nur die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht einen Nichteintretensentscheid gefällt hat. Äussert sich der Beschwerdeführer weder zum Nichteintreten noch zum vermeintlichen nicht wieder gutzumachenden Nachteil, ist die Beschwerde nicht hinreichend begründet (E. 1, 2 und 3).

Schweizerisches Bundesgericht 5A_685/2021 vom 19.04.2020
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht - Erbteilungsklage (Gültigkeit einer antizipierten Prozessabstandserkärung)
Nicht von Anfang an als Partei am Verfahren beteiligte notwendige Streitgenossen können weder später beitreten noch beigeladen werden (E. 2.4).
Die Teilungsklage muss gegen alle Miterben erhoben werden. Eine Ausnahme von der Notwendigkeit der Beteiligung sämtlicher Miterben lässt die Praxis zu, wenn einzelne Erben erklären, sie wollten auf ihren Anteil an der Erbschaft verzichten oder sich dem ergehenden Teilungsurteil unterziehen, wie auch immer es ausfallen werde (E. 3.1).
Eine antizipierte Prozessabstandserklärung ist im Rahmen eines Schlichtungsverfahren grundsätzlich zulässig und rechtswirksam (E. 4.2).
Wird eine Verzichtserklärung bzgl. Teilnahme am Verfahren des Beschwerdegegners im Rahmen einer Teilungsklage abgegeben und somit ist klar, dass er über die gegen ihn als Beklagten gestellten Begehren keine Kenntnis nehmen wollte oder seine Unkenntnis zumindest in Kauf genommen hat, kann er nicht mit Erfolg geltend machen, er habe sich geirrt. Sein gleichgültiges Verhalten zeigt, dass sein Irrtum keine wesentliche Voraussetzung für die Abgabe der Erklärung war (E. 4.4 und 5.4).
Sämtliche - auch den Prozessabstand erklärende – Miterben sind formell als Beklagte oder zumindest als Verfahrensbeteiligte einzubeziehen (E. 5.1).

Tribunal Fédéral 5A 419/2020 du 16.04.2021
IIe Cour de droit civil - Droit des successions - compétence ratione loci pour régler une succession (compétence internationale)
D'emblée, la nationalité suisse d’un défunt, ainsi que son lieu de naissance à Fribourg et de décès dans le canton de Vaud, sont dénués de pertinence pour la détermination du domicile, notion qui fait d'abord appel à une présence physique en un lieu donné, qui in casu était pour la plupart en France. Pour le même motif, l'existence de comptes bancaires et de biens immobiliers en Suisse ne démontrent pas à eux seuls un domicile en Suisse. Une voiture immatriculée en Suisse n’est pas décisive, en plus si seulement deux services en 2016 et 2017 ont été faits en Suisse. Le souhait du de cujus d'être enterré dans le canton de Fribourg ne revêt pas non plus de valeur aux fins de la présente cause, sauf à souligner que ce lieu ne correspond pas au canton de Vaud, où la procédure a été ouverte. Le de cujus se faisait soigner régulièrement en France auprès du même hôpital et s’était fait transférer en 2018 d’un hôpital vaudois à cet hôpital français, en plus il n’était plus au bénéfice d’une assurance-maladie suisse. La loi n'exige pas qu'une personne ait l'intention de demeurer pour toujours dans un certain endroit; il suffit qu'elle fasse de ce lieu le centre de son existence, quand bien même elle voudrait transférer plus tard son domicile ailleurs. La raison pour laquelle une personne s’établit dans un lieu donné étant sans importance (consid. 3.1 et 3.2.2).
Die schweizerische Staatsangehörigkeit einer verstorbenen Person sowie ihr Geburtsort in Freiburg und ihr Sterbeort im Kanton Waadt sind von vornherein irrelevant für die Bestimmung des Wohnsitzes, ein Begriff, der zunächst eine physische Anwesenheit an einem bestimmten Ort voraussetzt, die in casu meist in Frankreich vorlag. Aus demselben Grund ist das Vorhandensein von Bankkonten und Immobilien in der Schweiz für sich genommen kein Beweis für ein Domizil in der Schweiz. Ein in der Schweiz zugelassenes Auto ist nicht ausschlaggebend, insbesondere wenn nur zwei Serviceleistungen in 2016 und 2017 in der Schweiz vorgenommen wurden. Auch der Wunsch des Erblassers, im Kanton Freiburg begraben zu werden, ist für den vorliegenden Fall ohne Belang, ausser um darauf hinzuweisen, dass dieser Ort nicht dem Kanton Waadt entspricht, wo das Verfahren eingeleitet wurde. Der Erblasser wurde regelmässig in Frankreich im selben Krankenhaus behandelt und wurde 2018 auf seinem Wunsch von einem waadtländer Krankenhaus in das französische verlegt, ausserdem war er nicht mehr in der Schweiz krankenversichert. Das Gesetz verlangt nicht, dass eine Person beabsichtigt, für immer an einem bestimmten Ort zu bleiben; es genügt, dass sie diesen Ort zum Mittelpunkt ihres Lebens macht, auch wenn sie später ihren Wohnsitz an einen anderen Ort verlegen möchte. Der Grund, warum sich eine Person an einem bestimmten Ort niederlässt, ist unerheblich (E. 3.1 und 3.2.2).
= iusfocus 6/2021, * (Anmerkungen von Flavio Peter/David Wohlgemuth)
Der Wohnsitz nach Art. 20 Abs. 1 lit. a IPRG ist der Ort, an dem sich das Höchstmass von Elementen des persönlichen, sozialen und beruflichen Lebens einer Person konzentriert.

Tribunale Federale 5A_914/2019 del 15.04.2021
II Corte di diritto civile - Diritto successorio - validità del testamento olografo
E da considerare espressione di una libera volontà e quindi da ricondurre al volere della defunta e non al volere del fratello della defunta un testamento: a) steso in un momento in cui non vi erano indizi del fatto che le facoltà intellettive della defunta fossero degradate in maniera duratura e importante b) anche se copiato dal testamento del fratello ciò non basta ancora per concludere che mancasse la capacità di agire liberamente c) non redatto in uno stato di dipendenza psicologica (dal fratello che aveva il ruolo gerarchico di capofamiglia) tale da annichilire la facoltà di agire liberamente della defunta o da turbare la capacità di discernimento al punto da impedire una seria valutazione del proprio testamento d) è verosimile che il testamento della defunta riflettesse quindi i desideri del fratello ma vista la dinamica familiare non sorprende che la defunta li abbia fatti propri, e) non esistono indizi sufficienti per dire che la defunta non abbia compreso il linguaggio tecnico del testamento. In conclusione le disposizioni riflettano dunque i desideri della defunta (consid. 4.1).
Als Ausdruck des freien Willens zu betrachten und daher dem Willen der Verstorbenen und nicht dem Willen ihres Bruders zuzurechnen ist ein Testament: a) welches zu einem Zeitpunkt verfasst wurde, als es keine Anzeichen dafür gab, dass sich die geistigen Fähigkeiten der Verstorbenen dauerhaft und erheblich verschlechtert hatten, b) selbst wenn es vom Testament des Bruders kopiert wurde, reicht dies noch nicht aus, um daraus zu schliessen, dass die Verstorbene nicht in der Lage war, frei zu handeln c) welches nicht in einem Zustand psychischer Abhängigkeit (vom Bruder, der die hierarchische Rolle des Familienoberhaupts innehatte) errichtet wurde, welche die Fähigkeit der Verstorbenen, frei zu handeln, auslöscht oder ihre Einsichtsfähigkeit so weit beeinträchtigt, dass eine ernsthafte Beurteilung ihres Willens unmöglich wäre,  d) wenn es wahrscheinlich ist, dass das Testament der Verstorbenen die Wünsche ihres Bruders widerspiegelte, aber angesichts der Familiendynamik es nicht überraschend ist, dass die Verstorbene diese zu ihre eigenen machte, e) es keine ausreichende Beweise dafür gibt, dass die Verstorbene die technische Sprache des Testaments nicht verstanden hat. Im Ergebnis spiegelt das Testament den Willen der Verstorbenen wieder (E. 4.1).

Schweizerisches Bundesgericht 5A_268/2021 vom 15.04.2021
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht - Erbteilung
Ein kantonal letztinstanzlicher Entscheid betreffend Verfahrenssistierung ist einen Zwischenentscheid, der nur unter den Voraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 BGG angefochten werden kann (E. 1).
Wird nicht ansatzweise dargetan, inwiefern Recht verletzt worden sein soll, indem die Kostenregelung dem Verfahrensausgang folgt, und setzt sich der Beschwerdeführer nicht mit der Begründung der Vorinstanz auseinander, ist die Beschwerde nicht hinreichend begründet (E. 2 und 3).

Tribunale Federale 5A_226/2019 del 31.03.2021
II Corte di diritto civile - Diritto successorio - nullità di testamento
Riguardo a un testamento olografo del già defunto marito della defunta firmato e datato 1936  e trovato in casa di quest’ultima nel 1995 un anno dopo il suo decesso è da ricordare che: (a) di fronte a un testamento che adempie le forme e i requisiti previsti dalla legge, il giudice può presumerne l'autenticità; (b) questa presunzione non è però irrefragabile e la controparte può portare prove o elementi contrari, atti a far sorgere dei dubbi sull'autenticità del documento – come in casu le conclusioni di una perizia calligrafica nell’ambito di un procedimento penale parallelo per sospetta falsità del suddetto documento o stesse conclusioni di un perito incaricato dal pretore, come anche di una consulenza commissionata da una procura italiana per un procedimento parallelo arrivati alla stessa conclusione (c) in simile situazione, la presunzione di fatto decade e l'onere della prova viene ripristinato a carico di chi del documento vuole prevalersi – se queste persone non riescono ad addurla, cioè non sostanziando una violazione del diritto, il testamento è da considerare non autentico (consid. 5.3, 6.1).
Bezüglich eines eigenhändigen Testaments des früher verstorbenen Ehemannes der Erblasserin, das 1936 unterschrieben und datiert war, und 1995, ein Jahr nach ihrem Ableben, in ihrem Haus aufgefunden wurde, ist folgendes anzumerken: a) bei einem Testament, welches den gesetzlich vorgeschriebenen Formen und Erfordernissen entspricht, kann das Gericht seine Echtheit vermuten, b) diese Vermutung ist jedoch nicht unwiderlegbar und die andere Partei kann gegenteilige Beweise oder Elemente vorbringen, die Zweifel an der Echtheit des Dokuments aufkommen lassen können – wie in casu die Schlussfolgerungen einer Expertise der Handschrift im Rahmen eines parallelen Strafverfahrens wegen des Verdachts der Fälschung des genannten Dokuments, gleiche Schlussfolgerungen eines von der Schlichtungsbehörde beauftragten Sachverständigen, sowie auch von einer italienischen Staatsanwaltschaft für ein Parallaleverfahren in Auftrag gegebenes Gutachten; c) in einer solchen Situation wird die Tatsachenvermutung widerlegt und die Beweislast liegt wieder bei der Partei, die sich auf das Dokument berufen möchte – wenn diese Personen den Beweis nicht vorbringen  können, d.h. einen Rechtsverstoss nicht substantiieren, gilt das Testament als nicht authentisch/unecht (E. 5.3, 6.1).

Tribunal Fédéral 5A 485/2020 du 25.03.2021
IIe Cour de droit civil - Droit des successions - inventaire civil de la succession (question préjudicielle de la capacité de postuler de l'avocat)
La décision sur la capacité de postuler de l'avocat est une décision relative à la conduite du procès, au sens de l'art. 124 al. 1 CPC.  Si la capacité de postuler est déniée à l'avocat, un délai doit être fixé à la partie concernée pour remédier à l'irrégularité (art. 132 CPC par analogie). Dans une procédure pendante, l'autorité qui doit statuer sur la capacité de postuler de l'avocat est le tribunal compétent sur le fond de la cause ou, sur délégation, un membre de ce même tribunal (art. 124 al. 2 CPC), à l'exclusion de l'autorité de surveillance des avocats. La primauté du droit fédéral interdit aux cantons de consacrer la compétence d'une autre autorité (consid. 6.3).
Der Entscheid über die Postulationsfähigkeit des Anwalts ist eine verfahrensleitende Verfügung im Sinne von Art. 124 Abs. 1 ZPO. Wird dem Anwalt die Postulationsfähigkeit abgesprochen, ist der betroffenen Partei eine Frist zur Beseitigung des Mangels anzusetzen (Art. 132 ZPO analog). Während eines hängigen Verfahrens hat das Gericht, das für die Hauptsache zuständig ist, oder im Wege der Delegation ein Mitglied desselben Gerichts (Art. 124 Abs. 2 ZPO), unter Ausschluss der Anwaltsaufsichtsbehörde, über die Postulationsfähigkeit des Anwalts zu entscheiden. Der Vorrang des Bundesrechts verbietet es den Kantonen, die Zuständigkeit einer anderen Behörde anzuerkennen (E. 6.3).
= BGE *
= Anwaltsrevue 2021, 294
(Anmerkungen von Thomas Büchli)
= iusfocus 6/2021, *
(Anmerkungen von David Jenny)
In einem hängigen Zivilverfahren ist eine ausschliessliche Zuständigkeit des in der Sache befassten Gerichtes für die Aussprache eines Postulationsverbotes gegeben. Kantonale Regelungen, die diese Zuständigkeit den Anwaltsaufsichtsbehörden übertragen, verstossen
gegen den Vorrang des Bundesrechtes

Tribunal Fédéral 5A 707/2020 du 16.03.2021
IIe Cour de droit civil - Droit des successions - surveillance de l'exécuteur testamentaire
Le partage manuel (Realteilung) nécessite l'unanimité des héritiers. La composition et la réception des lots de l'art. 634 al. 1 CC (partage manuel) consiste dans la prise de possession par chaque héritier des objets formant son lot: le passage de ces choses dans sa maîtrise exclusive. L’accord des héritiers se réalise avec la réception matérielle des biens formant le lot de chacun d'eux: il ne lie ceux-ci qu'au moment où tous les biens composant la succession ont effectivement passé dans la maîtrise de l'héritier à qui ils sont destinés (consid. 5.1).
L’unanimité des héritiers est réalisée lorsque tous les biens à partager ont effectivement fait l'objet d'un acte de disposition des héritiers en faveur de son attributaire. Le refus de la part d’un héritier de signer les "tableaux de partage" n'y change rien, dès lors que l'exigence de la forme écrite ne s'applique qu'à l'acte de partage (consid. 5.2).
Si, après négociation, un ou plusieurs héritiers refusent le projet de partage, l'exécuteur testamentaire peut soit se limiter à l'administration de la succession jusqu'à ce que les héritiers aient trouvé un accord amiable ou attendre que l'un d'eux introduise une action en partage, soit résilier son mandat. La mission de l'exécuteur testamentaire se termine en principe une fois le partage exécuté et le décompte final remis (consid. 6.1).
Die manuelle Teilung (Realteilung) erfordert die Einstimmigkeit der Erben. Die Zusammensetzung und der Erhalt der Lose nach Art. 634 Abs. 1 ZGB (manuelle Teilung) besteht darin, dass jeder Erbe die Gegenstände, die sein Los bilden, in Besitz nimmt: den Übergang dieser Dinge in seine ausschliessliche Kontrolle. Die Vereinbarung der Erben kommt mit dem materiellen Empfang der Güter zustande, welches das Los eines jeden von ihnen bildet: sie bindet diese erst ab dem Zeitpunkt, in welchem alle Güter, aus denen die Erbschaft besteht, tatsächlich in die Verfügungsgewalt desjenigen Erben übergangen sind, für den sie bestimmt sind (E. 5.1).
Die Einstimmigkeit der Erben ist erreicht, wenn alle zu teilenden Güter tatsächlich Gegenstand eines Übertragungsvorgangs der Erben zugunsten des Begünstigten geworden ist. Die Weigerung eines Erben, die „Teilungstabellen“ zu unterschreiben, ändert daran nichts, da das Schriftformerfordernis nur für die Teilungsvereinbarung gilt (E. 5.2).
Wenn nach den Verhandlungen ein oder mehrere Erben den Teilungsvorschlag ablehnen, kann sich der Willensvollstrecker entweder auf die Verwaltung des Nachlasses beschränken, bis die Erben eine gütliche Einigung erzielt haben, oder abwarten, bis einer von ihnen eine Teilungsklage einreicht oder sein Mandat aufgeben. Grundsätzlich endet der Auftrag des Willensvollstreckers, wenn die Verteilung durchgeführt und die Schlussabrechnung vorgelegt wurde (E. 6.1).

​​​​​​​Schweizerisches Bundesgericht 5D_41/2021 vom 25.03.2021
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht - Ausweisung aus einer Nachlassliegenschaft
Setzt sich die Beschwerdeführerin vor Bundesgericht nicht mit den Erwägungen der Vorinstanz zur rechtskräftigen Einsetzung des Verfahrensbeistands und dem Umstand auseinander, dass sie sich seine Handlungen anrechnen lassen muss, und erhebt sie neue Anträge, welche unzulässig sind (Art. 99 Abs. 2 BGG), ist die Beschwerde unzulässig und nicht hinreichend begründet (E. 2).

Schweizerisches Bundesgericht 5A_161/2021 vom 05.03.2021
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht - Rechtsverweigerung / Rechtsverzögerung
Wird einem Beschwerdeführer eine Nachfrist zur Verbesserung der Beschwerde und Einreichung ohne ungebührliche Äusserungen (Bezeichnung des Gerichtspräsidenten als „korrupt“ und des Gerichts als „abgrundtief befangen“) angesetzt, ansonsten sie als nicht erfolgt gelte, liegt eine Zwischenverfügung vor, welche nur unter Art. 93 Abs. 1 BGG sofort angefochten werden kann (E. 2).

Tribunal Fédéral 5A 472/2020 du 25.02.2021
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IIe Cour de droit civil - Droit des successions - partage successoral et action en réduction
Selon l'art. 475 CC, pour calculer la quotité disponible, il faut ajouter aux éléments qui déterminent la masse à partager certaines libéralités entre vifs faites par le de cujus, qui diminuent les biens extants et portent atteinte aux réserves des héritiers légaux (consid. 9.1.2).
Le transfert d’un immeuble grevé d’un droit d’habitation ou d’un usufruit constitue un cas particulier de donation mixte. La valeur de la libéralité sujette à réunion doit alors être déterminée selon la méthode dite "de la proportionnalité", qui consiste à déterminer au moment de la libéralité quelle fraction de la valeur du bien représente la parte gratuite et à appliquer ensuite cette fraction à la valeur du bien à l'ouverture de la succession (consid. 9.1.3).
Il est possible de s’écarter de cette méthode et estimer la valeur de l’immeuble donné à une héritière en faisant abstraction du droit d’habitation. Tel est le cas si entre outre même en tenant compte du droit d'habitation dans l'évaluation, il n'en demeurait pas moins que, habitant avec le de cujus, l’héritière avait bénéficié de l'usage de l'immeuble et que le de cujus avait assumé toutes les charges liées à l'immeuble de sorte qu'il avait fourni une contre-prestation dont l’héritière n'avait pas démontré être de valeur moindre que la valeur capitalisée du droit d'habitation. C'est donc à raison que le montant à réunir soit évalué sans déduction. En effet, dans ce cas, le donataire a reçu une prestation équivalente au moins à l'attribution du droit d'habitation, de sorte qu'on ne se trouve plus dans un cas de donation mixte (consid. 9.2).
Gemäss Art. 475 ZGB müssen zur Berechnung des verfügbaren Teils bestimmte Zuwendungen des Verstorbenen unter Lebenden, die das vorhandene Vermögen verringern und die Reserven der gesetzlichen Erben beeinträchtigen, zu den Elementen hinzugefügt werden, welche die zu teilende Masse bestimmen (E. 9.1.2).
Die Übertragung von Grundstücken, die mit einem Wohnrecht oder einer Nutzniessung belastet sind, ist ein Spezialfall der gemischten Schenkung. Der Wert der Schenkung, welche der Vereinigung unterliegt, muss dann nach der so genannten „Proportionalitätsmehtode“ bestimmt werden, die darin besteht, zum Zeitpunkt der Schenkung zu bestimmen, welcher Bruchteil des Werts der Immobilie den unentgeltlichen Teil darstellt, und dann diesen Bruchteil auf den Wert der Immobilie zum Zeitpunkt der Eröffnung des Erbfalls anwenden (E. 9.1.3).
Es ist möglich, von dieser Methode abzuweichen und den Wert der einer Erbin geschenkten Immobilie zu schätzen, ohne das Wohnrecht zu berücksichtigen. Dies ist dann der Fall, wenn unter anderem auch bei Berücksichtigung des Wohnrechts in der Bewertung die Tatsache bestehen bleibt, dass die Erbin durch das Zusammenleben mit dem Erblasser von der Nutzung des Gebäudes profitiert hat und der Erblasser alle mit dem Gebäude zusammenhängenden Aufwendungen übernommen hat, so dass er eine Gegenleistung erbracht hat, deren geringeren Wert als der Kapitalwert des Wohnrechts die Erbin nicht nachgewiesen hat. Es ist daher richtig, dass der aufzubringende Betrag ohne Abzüge angesetzt wird. In casu hat die Beschenkte eine Leistung erhalten, die der Einräumung des Wohnrechts mindestens gleichwertig ist, so dass es sich nicht mehr um eine gemischte Schenkung handelt (E. 9.2).

Tribunal Fédéral 5A 145/2021 du 23.02.2021
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IIe Cour de droit civil - Droit des successions - répudiation d'une succession

Dans une cause rayée du rôle par suite du retrait du recours les frais incombent au recourant.
Bei Rückzug einer Beschwerde wird das Verfahren als gegenstandslos abgeschrieben und die Gerichtskosten sind vom Beschwerdeführer zu tragen.

Tribunal Fédéral 5A_82/2020 du 02.02.2021
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht – Zustimmung Erbteilungsvertrag

La suspension du délai de recours selon l’art. 46 al. 1 LTF ne s'applique pas dans les procédures concernant "d'autres mesures provisionnelles" (art. 46 al. 2 LTF), comme est le cas pour une décision de mesures protectrices de l'union conjugale (consid. 4).
Der Stillstand der Beschwerdefrist gemäss Art. 46 Abs. 1 BGG gilt nicht in Verfahren betreffend «andere vorsorgliche Massnahmen» (Art. 46 Abs. 2 BGG), wie es der Fall ist bei einem Entscheid über Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft (E. 4).

Schweizerisches Bundesgericht 5A_471/2019 vom 28.01.2021
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht - Erbteilung

Eine Behörde muss sich nicht zu allen Punkte einlässlich äussern (E. 2.2.2).
Vom (Testier-) Willen zu unterscheiden ist die Rechtsfrage, ob der formgültig verurkundete Text das Gewollte wiedergibt (E. 2.3.2).
Wer im bundesgerichtlichen Verfahren die vorinstanzlichen Feststellungen über den Sachverhalt zu Fall bringen will, hat unter anderem darzutun, inwiefern die Behebung der gerügten Mängel für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Wird dies nicht dargelegt ist auf die Rüge nicht einzutreten (E. 3.2.2).

Tribunal Fédéral 5D 11/2021 du 18.01.2021
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IIe Cour de droit civil - Droit des successions - succession, note d'honoraires

Un recours constitutionnel subsidiaire (art. 113 ss. LTF) ne satisfait pas aux exigences accrues de motivation si la recourante ne s’en prend pas aux considérants de l’arrêt attaqué ayant motivé le prononcé d’irrecevabilité (consid. 2).
Eine subsidiäre Verfassungsbeschwerde (Art. 113 ff. BGG), genügt den erhöhten Begründungsanforderungen nicht, wenn sich die Beschwerdeführerin nicht mit den Erwägungen des angefochtenen Urteils, aufgrund derer das Nichteintreten erfolgte, auseinandersetzt (E. 2).

Schweizerisches Bundesgericht 5A_752/2020 vom 06.01.2021
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht – Ausschlagung

Die (protokollierte) Ausschlagungserklärung ist ein beschwerdefähiger Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG (E. 1.1).
Ein Entscheid der lediglich feststellt, wer sich über Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft noch wird aussprechen müssen, stellt im Verfahren der Ausschlagung vor Friedensgericht bloss einen Schritt auf dem Weg zur Protokollierung der Ausschlagungserklärungen dar, d.h. ein selbstständig eröffneter Vor- oder Zwischenentscheid. Er unterliegt der Beschwerde gemäss Art. 93 Abs. 1 BGG (E. 1.2).

Schweizerisches Bundesgericht 5A_1054/2020 vom 05.01.2021
II. zivilrechtliche Abteilung – Erbrecht - Erbschaftsstreitigkeit
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Die Leistung des Kostenvorschusses (Art. 98 ZPO) ist eine Prozessvoraussetzung des betreffenden Verfahrens (Art. 59 Abs. 2 lit. f ZPO); Nichtleistung trotz Nachfrist hat Nichteintreten zur Folge (Art. 59 Abs. 1 und Art. 101 Abs. 3 ZPO; E. 1).